Ist ein Online-Kontakt ein echter Kontakt?

Ist ein Online-Kontakt ein echter Kontakt?

Ist ein Online-Kontakt ein echter Kontakt oder eine virtuell vorgespielte Wirklichkeit?
Ich gebe zu, die Technik hat viele Vorteile, Skype als Telefonat mit Bild, Webinare mir der Möglichkeit, als Teilnehmer Fragen stellen zu können und dabei nicht selbst gesehen zu werden, zeit- und ortsunabhängig Aufzeichnungen anzusehen … Die Liste ist beliebig erweiterbar.
Heute wird zu jedem Thema im Web etwas angeboten, vorzugsweise eben über die vorgenannten Technikkanäle, weil den Anbietern eingetrichtert wird, dass es eben nur so möglich ist, ordentlich Geld zu verdienen, weil wir sonst 1 : 1 Zeit gegen Geld tauschen, und deshalb nicht auf den „goldenen Zweig“ kommen können.
Wenn Du einen Videokurs kaufst, der gut gemacht ist, fühlst Du Dich angesprochen, weil der Ersteller genau das tut – Dich persönlich und direkt ansprechen. Du hast das Gefühl: Der meint wirklich mich, sieht mich mit meinen Problemen, und spricht zu mir über meine Lösung.
Wenn es in den Kursen um technische Bereiche geht, wie z. B. „Wie erstelle ich ein Screencapture-Video“, ist diese Lösung für mich richtig, da sie für alle Anwender gleich ist. Wenn ich dies oder jenes anklicke, passiert das – und zwar für jeden Teilnehmer gleich. Und hier sehe ich auch die echten Vorteile dieser Technik, denn ich kann in meiner Geschwindigkeit vorgehen, mir einen Part immer wieder anschauen, bis ich verstanden habe, und das Gelernte umsetzen kann. Wenn ich ein Problem habe, hilft mir der Support.
Bei Kursen in denen es darum geht, die Persönlichkeit des Kunden mit einzubeziehen, sehe ich das anders. Denn auch hier wird in einem Video oder Webinar eine absolute Lösung für alle angeboten, und die kann und wird es hier niemals geben können.
Wenn jeder Mensch ein ganz persönliches Unikat ist mit seiner einzigartigen Mischung an Überzeugungen und Persönlichkeitsmerkmalen, dann braucht es hier eine individuelle, auf jeden einzelnen Menschen persönlich zugeschnittene Lösung. Ich bin der Überzeugung, wenn ich zwei Menschen gleich behandle, dann habe ich einen falsch behandelt.
Der zweite Grund ist für mich der Kontakt schlechthin. Wir alle sind Beziehungswesen, die echte Kontakte brauchen, um zu wachsen. Und ein elektronischer Kontakt ist eben keiner, da so viele Ebenen fehlen. Ich kann sehen und hören, aber nicht anfassen. Als Veranstalter von Webinaren kann ich dann nicht einmal sehen und hören, sondern nur lesen und reagieren.
Aus der Sichtweise der Webinar-Veranstalterin sehe ich eine Zahl auf dem Schirm. Mir wird mitgeteilt, dass viele Menschen vor dem Computer sitzen und jetzt live dabei sind, wenn ich etwas erzähle und zeige. Ich kann mich bemühen, mir diese Menschen vorzustellen, doch in der Realität spreche ich zu einer Kamera, die mir nur durch ihre rote, blaue oder andersfarbige kleine Leuchte signalisiert, dass ich jetzt online sichtbar bin. Es gibt keinen wirklichen Adrenalinkick, da diese ganze Situation völlig unwirklich ist.
Der Teilnehmer auf der anderen Seite sieht mich, kann mich im Chat etwas fragen, hat aber keinen echten Kontakt zu mir. Sollten wir uns am nächsten Tag auf der Straße begegnen, so könnte er oder sie mich erkennen, da sie mein projiziertes Bild kennen, ich andererseits habe sie bis zu diesem Moment noch nie gesehen. Das ist kein echter Kontakt und wird es auch nicht werden, so sehr wir uns das auch wünschen mögen.
Und das ist so schade in unserer immer kontaktärmeren Welt. Wann wird es so weit sein, dass Computer mit Geschlechtsteilen hergestellt werden, mit Hilfe derer die Menschen dann ihre Liebesbeziehungen komplett virtuell leben können. Und meine nächste Frage wäre dann: „Sind die Dinger gut zu reinigen?“ Wenn ja, könnte somit wenigstens das Aids-Risiko verkleinert werden.
Ich bin der Überzeugung, dass es gut ist, die vorgenannte Technik für Marketing zu nutzen. Es ist schon eine feine Sache, mir mehrere Anbieter zum gleichen Thema vorab ansehen zu können. Ich kann so klären, ob ich eine Resonanz habe, dort etwas kaufen zu wollen. Die Entscheidung kann schneller fallen und sich besser anfühlen.
Für die eigentliche Arbeit sollten wir dann allerdings echten Kontakt haben, wenigstens alle vier Wochen. In den Wochen zwischen den Präsenztreffen können wir dann wieder auf die Wundertechnik zurückgreifen und per Skype und Webinar miteinander arbeiten, dann hat sich für mich das persönliche Gefühl „abgenutzt“ und muss erneuert werden. Dann wird es höchste Zeit, sich wirklich zu berühren und sich wieder mal in den Arm nehmen zu können. Getreu dem Motto: Ich drücke dich ganz doll, damit es für die nächsten vier Wochen reicht.
Ich nehme in Kauf, weniger zu verdienen und echten Kontakt zu meinen Kunden zu haben. Und es gibt sie noch, die Kunden, denen das ebenso wichtig ist. Wir alle sind der Meinung, echter Kontakt ist unbezahlbar und mehr wert als ein hoher Verdienst.

Comments
  • 17. Juni 2017 at 6:56

    Da hast Du Recht, Heike! Es fällt vielen auch schwerer, echten Kontakt herzustellen, am Telefon oder persönlich. Es wird wohl die Mischung machen. Ich habe beruflich sehr viele Kontakte, und manche werde ich niemals sehen, aber trotzdem schätze und mag ich sie sehr. Aber sobald sich die Gelegenheit ergibt, sind persönliche Treffen immer schöner.

    • 18. Juni 2017 at 9:57

      LIebe Silke,
      dem ist nichts mehr hinzuzufügen, Du sprichst mir aus dem Herzen – ich danke Dir für Deinen wundervollen Kommentar. Ich wünsche Dir immer echten Kontakt, was Dir mühelos gelingen wird, denn Du hast die Grundvoraussetzung in Deinem Herzen: Wertschätzung, Respekt und Liebe für jeden Menschen, mit dem Du kontaktest. Und ich bin sicher, Du wirst für jeden Menschen mit dem Du in Kontakt gehst, über welchen auch immer, ein Segen sein.

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